London, Karen B.

Andere Spezies, gleiches Prinzip

Wie wir vom Hundetraining fürs Leben lernen

Titelbild Andere Spezies, gleiches Prinzip

Paperback, 368 Seiten, s/w

Menschen wie Hunde behandeln? Das klingt auf den ersten Blick provokant – nicht aber, wenn man ein Verständnis vom Hundetraining hat, wie Karen B. London es pflegt. Als erfahrene Trainerin weiß sie nur zu gut, wie man positive Verstärkung richtig einsetzt und wie machtvoll sie ist. Warum nur, so fragte sie sich eines Tages, nutzen wir dieses Wissen eigentlich nicht auch im Umgang mit unseren Mitmenschen? Warum achten wir bei unserem Hund genau darauf, die richtigen Schritte und Erfolge zu bestärken, während wir an unseren Kindern, Freunden, Ehepartnern oder Arbeitskollegen weiter herumnörgeln? Ja - warum eigentlich?
Hier kommt ein Augenöffner für einen besseren Umgang mit Menschen und gleichzeitig eine Auffrischungskur zu allen wichtigen Prinzipien eines erfolgreichen Hundetrainings.

„Dieses Buch kann den Umgang mit den Menschen in Ihrem Leben für immer verändern. Mein einziger Kritikpunkt: Ich wünschte, ich hätte es geschrieben!“
(Ken Ramirez)
„Dringend empfohlen für jeden, der sich über das Verhalten seiner Familienmitglieder oder Zimmergenossen verzweifelt die Haare rauft!“
(Clive Wynne)
„Ich kann kaum erwarten, dass Sie dieses Buch lesen. Es ist Ihr persönliches Rezept für mehr Glück!“
(Patricia B. McConnell)

Paperback, 368 Seiten, s/w

Für wen ist dieses Buch geeignet?
Thema:
Basis
Vertieft
Pro
Inhaltliche Aufbereitung:
Einfach
Komplex
Wissenschaftlich
Legende
Thema:
Basis: Grundlegendes Thema für alle Hundehalter
Vertieft: Steigt tiefer in ein Einzelthema ein
Pro: Sehr spezifisches Thema im Profibereich
Inhaltliche Aufbereitung:
Einfach: Leicht verständlich, viele Fotos
Komplex: Mehr Text, enthält z.T. Fußnoten, Grafiken, Tabellen etc.
Wissenschaftlich: Text enthält viele Fachbegriffe und Fußnoten
ISBN 978-3-95464-256-4
Preis: 19,95 EUR
Autoreninfo:
Karen B. London, PhD, ist zertifizierte Hundetrainerin und Doktorin der Zoologie. Sie arbeitet seit 1997 professionell mit Hunden und deren Besitzern, gibt Seminare zum Hundeverhalten, schreibt regelmäßig für Fachmedien und ist Gastprofessorin an der Fakultät für Biowissenschaften an der Northern Arizona University. Zusammen mit Patricia B. McConnell hat sie bereits mehrere Bücher über das Hundetraining verfasst.
Rezensionen:
Daniela Fiedler, Hundeverhaltensberatung Goch

Dieses Buch ist eine Übersetzung aus dem Amerikanischen und in der Deutschen Übersetzung im Kynos-Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar überlassen hat, ganz frisch im Jahr 2021 erschienen. Die Autorin, Karen B. London, ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltenstherapeutin für Tiere und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Arizona.

Das Buch trägt den Untertitel: „Wie wir vom Hundetraining fürs Leben lernen“ und die Autorin nimmt uns hier mit auf eine vergnügliche Reise in die Lernprinzipien des Tier- und Hundetrainings. Allerdings projiziert sie diese Lerngesetze, z.B. der operanten und klassischen Konditionierung, in vielen kleinen Beispielen aus ihrem Familienleben auf uns Menschen und unser Leben miteinander.

Hierbei macht sie sich durchweg dem Prinzip der, inzwischen wohl zumindest in den westlichen Ländern angekommene, Positivität im Hundetraining zunutze. Selbst gängige Sprichwörter dreht sie ins Positive um. und rät dem Leser fortan erwünschte Verhaltensweisen positiv zu bestätigen anstatt den Fokus auf Nörgeln, Bestrafungen und Drohungen zu legen. Im Umgang mit Hunden wird diese Methode schon lange praktiziert, ist aber eben auch im Hinblick auf Ehemänner, Kinder, Kassiererinnen, Lehrerinnen, etc. anwendbar. Kurz, bei allen Menschen, von denen wir uns wünschenswerte Verhaltensweisen erhoffen.

 „Ich habe neulich gehört, wie eine Freundin das Sprichwort „zwei Vögel mit einem Samen füttern“ verwendet hat, anstatt auf das bekanntere „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“ zurückzugreifen. Als ich sie danach fragte, sagte sei einfach, dass ihr die optimistische Version besser gefiele (Seite 38).

Im Hundetraining verweisen die meisten Trainer, so auch ich, immer wieder darauf den Hund nicht für ein Fehlverhalten zu bestrafen, sondern im Gegenzug all die Dinge zu verstärken, die der Hund bereits richtigmacht. Sei es an lockerer Leine laufen, ein weggeworfenes Brötchen liegen zu lassen oder aber auch nicht am Besuch hochzuspringen. Das Geheimnis das hinter dieser Theorie steckt, lautet, dass ein Hund ein Verhalten öfter zeigen wird für das er belohnt wird.

Dieses Prinzip lässt sich mühelos auch auf zwischenmenschliche Beziehung anwenden. Vertrauen wir den Ausführungen der Autorin, so wird unser Ehemann uns umso öfter das Frühstück ans Bett bringen, je mehr wir ihn für das Eine Mal loben und uns freuen, wenn er es tut (meist am Hochzeitstag!), anstatt uns immerfort zu beschweren und zu kritisieren das wir diesen Liebesdienst gern öfter hätten.

Weniger kritisieren, mehr loben ist die Kernaussage dieses Buches. Wir können mit positiver Verstärkung andere Mitmenschen dazu bringen, tun zu WOLLEN, was wir wollen. Ja, bei dem ein oder anderen Leser mag sich hier nun der Gedanke der Manipulation einschleichen, jedoch klingt positive Verstärkung gleich viel angenehmer.

Karen B. London greift aber auch Themen wie klassische Konditionierung auf, macht einen Abstecher in die Ethologie, erklärt uns die Kommunikationsregeln unter Hunden, beschreibt Aggression und Angstverhalten und zeigt viele Parallelen aus der Verhaltensbiologie von Tieren auf, die wir mühelos auf unsere Art übertragen können, denn die Aussage der Autorin ist:

 „Mein wissenschaftlicher Hintergrund hat mir die Ansicht erleichtert, dass Menschen auch bloß eine Tierart sind. Eine logische Folgerung ist, dass man eine Art zuerst verstehen muss, wenn man diese beeinflussen möchte“ (Seite 218).

In diesem Buch geht es nicht nur um Hundetraining, sondern auch darum wie man einem männlichen Mitbewohner „antrainiert“ die Klobrille herunterzuklappen, oder Hotelgäste dazu bringt ihre Handtücher mehrmals zu benutzen.

Im vorletzten Kapitel beschreibt die Autorin zu jedem Prinzip des Hundetrainings gleich ein bis zwei Beispiele, wie dieses Prinzip auch auf uns Menschen übertragen werden kann. Unterhaltung und Schmunzeln ist hier garantiert. Gemäß dem Titel: „Andere Spezies – gleiches Prinzip!“

 „Die wahre Magie am Hundetraining – das natürlich überhaupt nichts Übernatürliches an sich hat – ist die durchdachte und sorgfältige Anwendung bewährter Techniken zur Verhaltensbeeinflussung.     Die meisten von uns würden gerne bestimmte Verhaltensweisen der Leute um uns herum beeinflussen – und mit den Fähigkeiten eines Hundetrainers ist das möglich. “ (Seite 13).

Mein Fazit: Mit Spannung habe ich das Erscheinen dieses Buches erwartet und als ich es endlich in Händen hielt habe ich es in einem Zug durchgelesen. Es ist trotz allem ein Buch über Hundetraining, wenngleich mir auch die Parallelen zu menschlichen Verhaltensweisen oftmals beim Lesen ein Lächeln ins Gesicht getrieben haben. Eine vergnügliche Reise in die Welt der Verhaltensforschung, das auch unsere Spezies mit einbezieht und zumindest die Sache mit dem „Frühstück ans Bett bringen“ werde ich einmal ausprobieren.