5 Tipps für den Umgang mit Hunden – Michael Moser

Tipp 1:
Wissen statt Glauben. Ein guter Umgang mit Hunden beginnt mit der Bereitschaft, sie wirklich verstehen zu wollen. Hundeverhalten ist komplex und entsteht durch Biologie, Lernerfahrungen, Emotionen und Umwelt. Gute Entscheidungen entstehen deshalb nicht aus Mythen oder alten Gewohnheiten, sondern aus Beobachtung, Wissenschaft und der Bereitschaft, das eigene Wissen immer wieder zu hinterfragen. Wenn dein Hund etwas tut, das dir nicht gefällt, lohnt es sich deshalb zuerst zu fragen: Warum passiert das gerade? und nicht: Was stimmt mit meinem Hund nicht?
Tipp 2:
Sieh deinen Hund als Partner, nicht als Aufgabe. Jeder Hund bringt seine eigene Persönlichkeit, Geschichte und biologische Ausstattung mit. Es gibt keinen Standardhund und deshalb auch keinen Standardweg. Gute Zusammenarbeit entsteht dort, wo wir lernen, unseren individuellen Hund zu lesen, seine Perspektive zu verstehen und gemeinsam Lösungen zu finden. Was bei einem Hund funktioniert, muss bei deinem Hund nicht automatisch funktionieren. Gute Begleitung bedeutet, den Hund vor uns kennenzulernen, nicht einfach eine Methode auf ihn anzuwenden.
Tipp 3:
Trainiere Zustände, nicht nur Verhalten. Verhalten ist immer ein Ausdruck biologischer Prozesse. Ein Hund kann nur lernen, wenn sein Nervensystem dazu in der Lage ist. Wer versteht, was hinter einem Verhalten passiert, arbeitet nicht gegen den Hund, sondern schafft Bedingungen, unter denen echte Veränderung möglich wird. Ein Hund, der gerade Angst hat, gestresst ist oder völlig aufgeregt ist, braucht nicht einfach mehr Anforderungen. Er braucht zuerst Unterstützung dabei, wieder ansprechbar zu werden.
Tipp 4:
Mache Zusammenarbeit leicht. Gutes Training bedeutet nicht, den Hund ständig zu korrigieren. Es bedeutet, klare Kommunikation zu schaffen und dem Hund möglichst oft die Erfahrung zu geben: „Ich weiß, was von mir erwartet wird, und ich kann Erfolg haben.“ Training sollte Orientierung geben und Motivation erhalten. Unser Ziel sollte nicht sein, dass der Hund möglichst wenig falsch macht, sondern dass er möglichst oft versteht, was richtig ist und wie er Erfolg haben kann.
Tipp 5:
Bleibe neugierig, bevor du bewertest. Hinter jedem Verhalten steckt eine Geschichte. Statt vorschnell zu fragen: „Was stimmt mit meinem Hund nicht?“, sollten wir fragen: „Warum passiert das gerade?“ Verhalten ist Information. Wer beobachtet, bevor er bewertet, findet bessere Lösungen. Ein Hund handelt nicht grundlos. Jedes Verhalten erzählt uns etwas darüber, wie der Hund seine Umwelt gerade erlebt und was er möglicherweise braucht.
Michael Moser
Hundetrainer, Erdenker des Canine Scientific Systems ®, Autor von „Das Gehirn an der Leine“
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