Der Merle-Faktor: Gefährlicher Trend?

Der Merle-Farbschlag war früher vor allem bei Arbeitshunden verbreitet: Der Australian Shepherd erbte diese ausgefallen Fellzeichnung vom Pyrenäen-Schäferhund, der zu seinen Vorfahren zählt, bei den meisten Britischen Hütehunden gab und gibt es Blue Merle, ebenso beim heute noch ausschließlich als Arbeitshund (außerhalb des VDH) gezüchteten Altdeutschen Hütehund, bei dem diese Farbvariante „Tiger“ heißt.
Solange ein merlefarbener Hund für das betreffende Farbgen mischerbig ist, z.B. M/m, ist er lebenstüchtig und leistungsfähig.
Probleme entstehen dann, wenn zwei merlefarbene Hunde mit dem Genotyp M/m, miteinander verpaart werden: Dann können nach den Mendelschen Gesetzen die reinerbigen Weißtiger mit Genotyp M/M, auch Double Merles oder Weißtiger genannt, entstehen. Dieser Genotyp kann mit gravierenden gesundheitlichen Störungen wie Taubheit, missgebildeten Augen oder Blindheit verbunden sein. Nach §11b des Tierschutzgesetzes („Qualzuchtparagraph“) ist die Zucht von Double Merles in Deutschland verboten.
Das Problem: Man sieht nicht jedem Hund zwingend das Merle-Gen äußerlich eindeutig an und nicht jeder Züchter verfolgt gewissenhaft, welche Farbgene die Eltern oder Großeltern mitgegeben haben können. Natürlich kann es auch zu ungewollten Zufallsverpaarungen zwischen zwei Merles kommen.
Verstärkt wird die die Gefahr durch den Trend, neuerdings die Merle-Fellzeichnung auch in viele andere Rassen und Designer-Dogs einzukreuzen, denn die Nachfrage boomt: Sogar bei Französischen Bulldoggen, Möpsen, Bullterriern, Dobermännern oder Chow-Chows sind seit einigen Jahren nun Merles zu sehen. Das Problem dabei: Weil es immer mehr solcher Hunde gibt, steigt die Gefahr für Risikoverpaarungen, denn nicht alle Welpenkäufer wissen um das gesundheitliche Risiko, dass unüberlegte Zucht mit dem Merle-Faktor mit sich bringt. Und je höher der Anteil merlefarbener Hunde in der Gesamtpopulation, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Verpaarungen – gewollt oder ungewollt – kommt.
Fazit: Die Farbe Merle ist nur dann kein Problem, wenn sie züchterisch sehr gewissenhaft gehandhabt wird und wenn sie nicht zum massenhaften Modephänomen wird. Beides ist derzeit leider kritisch zu sehen.
Mehr zur Vererbung der Farben und den Zusammenhängen mit der Gesundheit in: Dr. Anna Laukner, Die Genetik der Fellfarben beim Hund
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