Das Grundrezept „Tinktur“
So löst du ganz einfach Pflanzeninhaltsstoffe aus – selbst aus harten Wurzeln und Harzen

Die klassische Apothekertinktur wird in der Regel mit einem Teil Kräuter und 5–10 Teilen Alkohol oder alternativ Essig angesetzt. Falls möglich, wird empfohlen, die Tinktur mit frischen Pflanzenteilen herzustellen.
Für die Herstellung von 100 ml Tinktur (1:5) benötigst du:
- 100 ml Auszugsflüssigkeit wie Alkohol oder alternativ Essig – empfehlenswert sind milder und hochwertiger Apfelessig
Als grobe Faustregel hinsichtlich der % vol des Alkohols kann man nehmen:
- Für Blüten und Blätter: 30–55 % vol
- Für Wurzeln und Rinden: 55–70 % vol
- Für Harze: 70–96 % vol
Bei frischen Pflanzenteilen:
- ca. 20 Gramm frische Blätter oder Blüten – die frischen Blätter und Blüten sollten leicht angewelkt sein, um den Wasseranteil zu reduzieren
- ca. 20 Gramm frische Wurzeln
Bei getrockneten Pflanzenteilen:
- ca. 10–15 Gramm getrocknete Blätter oder Blüten
- ca. 10–15 Gramm getrocknete Wurzel
Bitte beachten: Dies sind nur Richtwerte. So haben beispielsweise 10 Gramm Gänseblümchenblüten ein anderes Volumen als 10 Gramm Brennnesselsamen. Wichtig ist in allererster Linie, dass die Pflanzenteile gänzlich von der Auszugsflüssigkeit bedeckt sind.
Anleitung:
Tinktur-Grundlage herstellen:
- Frische oder getrocknete Kräuter auf Qualität, Verschmutzungen und welke Stellen prüfen
- Pflanzenteile grob mit einem Messer zerkleinern
- Mit etwas Auszugsmittel im Mörser zu einer breiartigen Masse verarbeiten (oder so fein wie möglich zerkleinern)

Schritt für Schritt entsteht eine breiartige Masse.
- Pflanzenmaterial in ein verschließbares Glas geben
- Mit dem restlichen Auszugsmittel auffüllen
- Glas fest verschließen, damit kein Alkohol verdunstet

Gib die Pflanzenteile in ein Auszugsgefäß und übergieße sie mit der Auszugsflüssigkeit.
Ausziehen lassen:
- 7 bis 14 Tage an einem warmen, schattigen Ort lagern (Vor direkter Sonneneinstrahlung schützen!)
- 1 bis mehrmals täglich umrühren oder leicht schütteln
Filtern:
- Nach 7 bis 14 Tagen durch ein Feinsieb abfiltern
- Pflanzenreste gut ausdrücken
- Bei Bedarf zusätzlich durch Kaffee- oder Teefilter filtern
- Bei Schleimstoffpflanzen (z.B. Eibischwurzel) nur durchs Sieb filtern, damit wertvolle Schleimstoffe erhalten bleiben

Die Pflanzenteile, die ihre Wirkstoffe nun an die Auszugsflüssigkeit abgegeben haben, filtern wir aus der fertigen Tinktur heraus.
Abfüllen und Lagern:
- Fertige Tinktur in eine Braunglasflasche füllen
- Mit Pflanzenname und Herstellungsdatum beschriften
- Sofort verwendbar oder noch einige Wochen nachreifen lassen
Besonderheiten bei Essigtinkturen:
- Mindestens 14 Tage ziehen lassen
- Etwas höher dosieren, da Essig ein schwächeres Lösungsmittel ist
- Haltbarkeit: etwa 6 Monate
- Schlierenbildung ist meist kein Schimmel, sondern eine Ansammlung von Essigsäurebakterien
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