Warum Taping beim Hund mehr ist als ein bunter Streifen auf dem Fell

Kinesiologisches Taping wird in der Hundephysiotherapie vielseitig eingesetzt. Doch wie genau wirken die elastischen Tapes und warum können sie bei so unterschiedlichen Beschwerden unterstützend eingesetzt werden?

17. Oktober 2026 | Gesundheit & Pflege

Wer zum ersten Mal einen Hund mit bunten Tapes sieht, denkt oft an das, was man vom Humanbereich kennt: Sportler mit farbigen Streifen auf Schultern, Knien oder Rücken. Doch kinesiologisches Taping beim Hund verfolgt weit mehr als einen optischen Effekt. Hinter jeder Tapinganlage steckt ein klarer therapeutischer Gedanke.

Kinesiologisches Tape kann als eine unterstützende Behandlungsmethode, die insbesondere nach physiotherapeutischer, osteopathischer oder chiropraktischer Behandlung eingesetzt werden. Ziel ist es, therapeutische Impulse über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten.

 

Wie funktioniert kinesiologisches Tape überhaupt?

Im Gegensatz zu klassischem Sporttape ist kinesiologisches Tape elastisch. Es enthält Elasthanfasern und kann sich in seiner Längsrichtung dehnen. Dadurch schränkt es die Beweglichkeit des Hundes nicht ein, sondern begleitet die natürliche Bewegung des Körpers.

Die Wirkung basiert auf drei wesentlichen Säulen:

 

1. Der Recoil-Effekt

Alles, was gedehnt wird, möchte wieder in seine ursprüngliche Form zurückkehren. Genau diese Rückzugskraft wird gezielt genutzt, um Muskeln, Sehnen oder andere Gewebestrukturen in eine bestimmte Richtung zu unterstützen. Je nach Anlage kann dies bedeuten, dass eine Muskulatur aktiviert, entspannt oder eine Bewegung unterstützt wird. Der Therapeut entscheidet dabei bewusst, in welche Richtung das Tape geklebt wird und welchen Impuls es dem Gewebe geben soll.

 

2. Der Anhebe-Effekt

Durch den Recoil hebt das Tape Fell und Haut leicht an. Dadurch entsteht mehr Raum im Gewebe. Von diesem zusätzlichen Raum können verschiedene Strukturen profitieren:

  • verspannte Muskelfasern
  • verklebte Faszien
  • Blutgefäße
  • Lymphgefäße

Zusätzlich werden durch diesen Effekt verschiedene Rezeptoren im Gewebe stimuliert.

 

3. Die Propriozeption

Ein besonders spannender Bereich ist die sogenannte Propriozeption, also die Körperwahrnehmung. Beim Hund befinden sich mehr als 60 Prozent aller Propriozeptoren rund um die Haarwurzeln. Genau deshalb kann bereits die Bewegung des Fells unter einem Tape einen Reiz erzeugen, der die Wahrnehmung des eigenen Körpers verbessert. Diese Eigenschaft macht man sich besonders bei neurologischen Problemen oder Bewegungseinschränkungen zunutze. Selbst komplett spannungsfrei geklebte Tapinganlagen können dadurch einen therapeutischen Nutzen haben.

 

Wann wird Taping eingesetzt?

Das Einsatzspektrum ist breit gefächert:

  • Arthrose
  • Hüftgelenksdysplasie
  • Bandscheibenvorfällen
  • Muskelverspannungen
  • schwacher Muskulatur
  • Ataxien
  • Narben
  • Instabilitäten verschiedener Gelenke
  • Schwellungen
  • Angst und Nervosität über bestimmte Akupunkturpunkte

Dabei verfolgt nicht jede Anlage das gleiche Ziel. Manche sollen Schmerzen lindern, andere Stabilität geben, wieder andere die Körperwahrnehmung fördern oder verspannte Strukturen entlasten.

Wichtig: Das Tape ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung der Ursache. Es kann jedoch helfen, therapeutische Maßnahmen zu unterstützen und deren Wirkung über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten.

 

Mehr zum Thema Kinesiologisches Taping für Hunde gibt es in den Büchern Das Hundetaping Lexikon und Kinesiologisches Taping für Hunde von Katja Bredlau-Morich.


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