5 Tipps für den Umgang mit Hunden – Karin Jansen

30. September 2026 | Hunde verstehen: Die 5 besten Tipps unserer Autoren

Tipp 1:

Bedürfnisorientierung. Was braucht ein Hund? Welche Bedürfnisse hat er/sie? Ein Hund geht nicht über Tische und Bänke, wenn seine Bedürfnisse erfüllt werden. Er will auch nicht die Weltherrschaft übernehmen. Wenn dein Hund etwas will, darfst du gerne abwägen, ob das mit deinen Bedürfnissen und deinem Wollen zusammenpasst. Wille und Bedürfnis sind nicht das gleiche! Nur wenn Bedürfnisse erfüllt werden, kann ein Hund entspannt lernen und leben.

Tipp 2:

Nicht Hundeerziehung, sondern Hundehaltung. Hunde leben mit uns, sie sind (fast) immer an unserer Seite. „Hundeerziehung“ sollte also ein Konzept des Zusammenlebens abbilden (Hundehaltung), das dazu führt, dass Mensch und Hund gut bedürfnisorientiert miteinander leben können. Erziehung mit Grundkommandos und Trainingszielen hat häufig nichts oder nur sehr wenig mit dem tatsächlichen Zusammenleben zu tun. Deswegen spreche ich von bedürfnisorientierter Hundehaltung. 24 Stunden am Tag und nicht nur auf einem Trainingsplatz oder einem Erziehungskurs. Wir dürfen unseren Alltag mit Hund reflektieren und weiter entwickeln und nicht „nur“ Erziehung (aus-)üben.

Tipp 3:

Hundepsychologie statt Verhaltensberatung (oder: „Was steckt hinter Verhalten“). Wenn wir uns fragen, warum und wofür ein Hund ein bestimmtes Verhalten zeigt, dann können wir die dahinter liegenden Ursachen ergründen und auflösen oder die Menschen mit ihren Hunden so beraten, dass eine Weiterentwicklung möglich wird. Ein Verhalten auszuschalten, umzulenken oder wegzutrainieren löst keine Probleme. Wenn ein Hund sich nicht verstanden oder wahrgenommen fühlt und Probleme nicht gelöst werden, dann wird er mit größerem Nachdruck im gleichen Verhalten bleiben. Oder die Ursache für das Verhalten bahnt sich einen anderen Weg (wenn ich nicht bellen und knurren darf, dann muss ich beißen).

Tipp 4:

Selbstwirksamkeit. Wenn ein Hund absolut abhängig vom Menschen ist, er/sie keine Möglichkeit hat, Einfluss auf sein/ihr Leben zu nehmen, dann kann dies (Verlust-) Ängste, Kontrollverhalten (aus Angst vor Kontrollverlust)  etc. fördern. Hunden Selbstwirksamkeit zu ermöglichen durch sinnstiftende Beschäftigung, eine Aufgabe zum Futtererwerb (zum Beispiel Suche nach Beute-Beuteln mit Futtern o.ä.), gelingende Kommunikation (wir dürfen lernen, wie Hunde uns ansprechen, sich äußern) und Entscheidungsfreiräume, wo immer sie möglich sind, lässt Hunde erwachsener, entspannter, resistenter und zufriedener werden.

Tipp 5:

Bewertungen unterlassen. Jeder Mensch und jeder Hund hat seine/ihre Biografie. Auch ein Welpe mit 8 Wochen hat schon Bindungserfahrungen und Konflikte erlebt. Deswegen ist kein Hund „gut“ oder „schlecht“, Verhalten ist erst einmal das Ergebnis des gelebten Lebens und deswegen ein Spiegel der Biografie. Wenn wir Hunde bewerten, dann ist eine gute Bewertung (fein gemacht, braver Hund, lieber Hund) und die darauf folgende Belohnung zum einen eine oberflächliche Betrachtung von Verhalten (ohne die Hintergründe einzubeziehen) und zum anderen bewirkt das Ausbleiben der positiven Bewertung im Gehirn eine Bestrafung (statt Dopamin Cortisol-Ausschüttung) und wertet den Hund ab.

 

Karin Jansen

Gründerin des Instituts für Kynogogik, Hundeerziehungsberaterin, Autorin von „Was Hunde bewegt“

 



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